Tag 3: Wandern im Nebel

Heute organisierten wir unseren Morgen etwas anders. Da gestern Sonntag war, hatte der Supermarkt gegenüber unsere Unterkunft geschlossen. Nun am Montagmorgen war der kleine Laden auf der anderen Straßenseite wieder geöffnet, und wir erledigten noch vor dem Frühstück unseren Tageseinkauf. Typischerweise waren das Wasser und Snacks. Hier nahmen wir uns sogar eine kleine Packung Kochschinken für das Frühstück und ein paar Brötchen mit. Während wir unser Frühstück aus Kaffee, Brot, Kochschinken und einem Apfel verspeisten, begannen wir mit der Planung der Tageroute. Da der Ort Porto da Cruz auf Meereshöhe liegt und von 500m hohen Bergen umgeben ist, hatten wir zunächst überlegt mit einem Bus in die nächste Stadt zu fahren. Leider mussten wir feststellen, dass eine Auskunft zu den Busfahrten nicht so einfach zu erhalten war. Die Information „3 mal täglich“ hat uns letztendlich nicht überzeugt auf einen Bus zu setzen. Also planten wir die gesamte Tagesetappe als Wanderung. Gegen 11 Uhr verließen wir die Unterkunft, verabschiedeten uns von unserem Gastgeber und folgten der Straße Richtung Südosten.

Bei der Planung hatten wur bereits festgestellt, dass wir zu Beginn der Wanderung erst einmal 500 Höhenmeter überwinden mussten. Die Straße führte aus dem Ort heraus und stieg permanent leicht an. Mit jedem gelaufenen Meter ging es langsam, aber stetig in die Höhe. Nach 1,8 Straßenkilometern wechselten wir auf einen kleinen Pfad, der hauptsächlich aus Treppenstufen bestand und zunächst zwischen Häusern hindurchführt und sich später auf einem Waldweg fortsetzte. Dies war der steile Aufstieg zum Wanderweg PR5, den wir bereits gestern in einem anderen Abschnitt gelaufen waren. Während des Aufstiegs legten wir immer wieder kurze Pausen ein, um durchzuatmen und Wasser zu trinken. Bei einer dieser Pause hörten wir das pfeifende Geräusch eines Greifvogels, den wir prompt in einem nahegelegenen Baum entdeckten. Nur Sekunden später stürzte sich der Vogel von seinem Ast in unsere Richtung und dreht dann zügig zum Hang ab. Es schien uns als hätte er erst im Sturzflug bemerkt, dass wir keines seiner Beutetiere waren. Nun ging es weiter in Serpentinen den Berg hinauf. Irgendwann erreichten wir glücklich einen Kaskadenweg und folgten diesem bis zum PR5.

Als wir den offiziellen Wanderweg PR5 erreichten, entdeckten wir einen Rastplatz, der günstig direkt neben dem Weg gelegen war. Diese Gelegenheit nutzten wir für eine längere Pause mit Müsliriegeln und viel Wasser. Nun führte der Weg als Schotterstraße weiter entlang der Kaskade, oder portugiesisch Levada. Da wir hier relativ weit oben in den Madeirischen Bergen waren, hüllte uns immer wieder der Wolkennebel ein, der hier für sehr viel Feuchtigkeit sorgte. Dieses Naturphänomen erschafft eine sehr mystische Atmosphäre und lässt es zwischendurch immer wieder spontan regnen. Auf diesem Abschnitt des PR5 gibt es eine Besonderheit, einen Tunnel für die Kaskade, der auch von Wanderern durchlaufen werden kann. Diese Chance ließen wir uns nicht nehmen. Bewaffnet mit der Taschenlampe betraten wir den dunklen Gang, der neben dem Wasserlauf der Kaskade nur ca. 50cm breit war. Nach geschätzten 70 Metern standen wir wieder im Tageslicht. Ohne eine Taschenlampe hätten wir den Tunnel nicht betreten wollen, da der Boden extrem glitschig war und teilweise mit Wasserpfützen bedeckt war. Nun ging es weiter auf der Schotterstaße des PR5, vorbei an vielen Riesenfarnen und einem intensiv begrünten Berghang. So ging es weiter bis zum berühmten Aussichtspunkt Portela . Aufgrund des zuvor erwähnten Wolkennebels war hier allerdings nur eine weiße Wand zu sehen. Wir setzten uns kurz und planten die weitere Strecke.

Da wir nicht auf der Straße laufen wollten, entschieden wir uns für einen kleinen Forstweg. Auch hier wuchsen entlang des Weges viele Farne und farbenfrohe Blumen. So ging es ca. 2km langsam bergab, bis wir die ersten Geräusche von Zivilisation vernommen. Der Weg wurde nun nochmal deutlich steiler und beim Abstieg merkten wir die Erschöpfung in unseren Beine deutlich. Im Ort Ribeira de Machico angekommen, hörten wir laute Kinderrufe und konnten auch schnell den Grund dafür ausmachen… die örtliche Schule. Hier schien in der halboffenen Turnhalle gerade ein Event stattzufinden. Im Ort selbst gab es nicht viel, so dass wir diesen auf direktem Wege durchquerten und uns an den letzten großen Aufstieg nach Santo António de Serra machten. Die ersten Meter führten entlang einer normalen Straße als wir überraschend auf einen frei laufenden Hund trafen. Dieser bellte bereits aus der Entfernung und machte sich bemerkbar bevor er langsam heran trottete. Wir blieben erstmal einmal stehen und observierten die Situation. Der Hund kam nun langsam auf uns zu und begann freudig mit dem Schwanz zu wedeln. Er schnupperte uns einmal kurz ab und ging dann seiner Wege. Erleichtert setzten wir unseren Weg fort, auf dem nun der schwere Teil des Aufstiegs begann.

Am Beginn des Weges standen noch ein paar Briefkästen, so dass wir von einem normalen Weg ausgingen. Nach ca. 200m starker Steigung, wurde aus dem befahrbaren Schotterweg ein Waldweg. Laut Navigation würden wir diesen Weg noch für fast 2 Kilometer und ca. 200 Höhenmeter weiter begehen. Nach einigen hundert Metern fanden wir uns an einem kleinen Bach wieder, der überquert werden musste. Mit beherzten Sprüngen erreichten wir trockenen Fußes die andere Seite, nur um festzustellen, dass vom eigentlichen Weg nix mehr zu sehen war. Ohne die Navigationshilfe, war der Weg fast nicht auszumachen. Wir folgten der Navigation und sogar trotzdem einmal kurz vom Weg abzukommen, nur um dann vor einer Wand aus Gestrüpp zu stehen. Zurück auf dem richtigen Weg, ging es weiter bergauf durch die Wiesen mit teils hüfthohen Pflanzen, während die Wolken wieder dichter wurden und der Nieselregen einsetzte. Unterwegs blieben wir noch einige Male an den Brombeerbüschen hängen, verletzten uns aber nicht. Nach etwa 1h erreichten wir den Gipfel und konnten etwas die Beine ausruhen. Hier wurde uns auch noch ein schöner kleiner Pfad angezeigt, der sich aber ebenfalls als sehr verwittert und zugewuchert herausstellte. Auch hier liefen wir gefühlt mitten durch den Dschungel. Kurz danach erreichten wir letztendlich unser heutiges Tagesziel und schauten uns bereits nach Möglichkeiten zum Essen und Einkaufen um. Im Hotel angekommen, packten wir nur schnell aus, hingen die Sachen zum Trocknen auf, und machten uns auf den Weg zum Abendessen. Im Leal do Santo konnten wir das typische, einheimische Getränk Poncha probieren. Ein Cocktail aus Zitrone, Mandarine, Honig und Zuckerrohrschnaps. Ein sehr leckerer, aber auch hochprozentiger Genuss. Dazu gab es noch mehrere Gerichte, da wir einige der hier angebotenen Speisen probieren wollten. Besonders die Spezialität des Hauses „Franchesinha“ war eine echte, sehr leckere, Kalorienbombe. Für den Weg nach Hause gab es für mich noch ein Eis. Nach diesen vielen Höhenmetern waren wir glücklich zum Ende des Tages endlich die Schuhe wegstellen und die Beine hochlegen zu können.

Tagesgesamtstrecke: 13,2 Kilometer mit 930 Höhenmetern

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