Tag 7: Die Königs-Etappe

Unser Hotel hatte auch dieses Mal wieder ein Frühstück für uns, dies mal recht gewöhnlich ohne Highlights. Während des Frühstücks überlegten wir bereits, wie wir den heutigen Tag angehen wollen. Wie weit fahren wir mit dem Bus? Wie viele Höhenmeter trauen wir uns noch einmal zu? Nach längerem Überlegen entschieden wir, dass es eine schöne Herausforderung wäre, wenn wir den kompletten Kreis zu Fuß absolvieren würdem. Also verwarfen wir unsere Bus-Pläne, packten unsere Rucksäcke und machten uns erneut auf die Socken. Der Weg führte uns durch die bekannte Altstadt zurück zur Seilbahn und anschließend weiter die Küste entlang Richtung Osten. Wir kamen dabei an einer alten Festung vorbei und konnten immer wieder das Treiben am Wasser beobachten. Bei doch nicht unerheblichem Wellengang, gab es genug Leute, die hier im Meer schwammen. Wenig später begann dann die heutige Bergetappe und wir hatten direkt fast 600 Höhenmeter vor uns, um die Stadt Funchal hinter uns zu lassen. Das Wetter war uns gnädig, mit zwar permanentem Sonnenschein, jedoch milden Temperaturen. Zwischenzeitlich hatten wir Steigungen jenseits der 25%, so dass wir mehrere Pausen einlegten und die Strecke nach und nach abspulten. Schließlich erreichten wir den Stadtrand, der hier auf Madeira nur schwer auszumachen ist, da die Orte zersiedelt sind und teils nahtlos ineinander übergehen. Nach einem kurzen, aber steilen Aufstieg verließen wir die Fahrstraße, um unsere Wanderung auf einem Forstweg fortzusetzen. Hier hat uns Komoot mal wieder einen Streich gespielt und einen Weg empfohlen, der nicht zu existieren schien im Gestrüpp endete. Also mussten wir einen alternativen Weg suchen, der uns durch die hier gelegenen Palheiro Gardens führte und dafür auch noch Eintritt bezahlen. Es erschien uns aber sinnvoller die 6 Euro zu bezahlen, als noch einmal 30-60 Minuten Umweg auf uns zu nehmen. In der gepflegten Grünanlage gab es viele Blumen zu bestaunen und wir nutzen die Möglichkeit an ein paar Bänken zu rasten. Dabei konnten wir zufällig zwei Hasen beobachten, die den Weg hier kreuzen wollten. Bei der Rast testeten wir auch noch unseren Wasserfilter, da es neben den Bänken eine Frischwasserstelle gab. Das gefilterte Wasser schmeckte herrlich.

Unser nächstes Ziel war erneut eine Levada, genau gesagt die Levada dos Tornos, die uns schon mehrere Tage begleitet hat. Kurz vor der Levada kamen uns auf einmal 2 herrenlose Hunde entgegen. Wir waren nicht sicher, wie die beiden drauf waren und warteten erstmal ab. Da die Hunde aber nicht bellten und allgemein wenig Interesse an uns zeigten, ließen wir sie an uns vorbeilaufen und setzten unseren Weg fort. Kurz darauf kamen wir an unseren ersten Levada-Tunnel der ca. 200m lang war. Wir entschieden uns den Tunnel zu durchqueren und kamen dabei zwischenzeitlich schon sehr in Bedrängnis, da der Weg neben dem Kanal nur sehr schmal und die Tunneldecke auch nicht für unsere Körpergrößen gemacht war. Trotzdem kamen wir sicheren Schrittes und unter Hilfenahme der Handytaschenlampen am anderen Ende des Tunnels an. Nur kurze Zeit später kamen wir erneut an einem weiteren dieser Tunnel an. Dieser erschien uns jedoch noch flacher und wir entschieden diesen zu umgehen. Ein Ortsansässiger erzählte uns dann, dass dieser Tunnel nur am Anfang so flach sei und kurze Zeit später sehr gut zu begehen wäre. Dennoch wollten wir nicht nochmal umdrehen und setzten den Umweg fort. Wie sollte es anders sein, kamen wir natürlich noch an einen dritten Tunnel. Dieser war aber wirklich unbegehbar und nur in der Levada selbst zu durchqueren. Es gab faktisch keinen Weg neben dem Kanal. Also mussten wir wieder einen Umweg suchen. Danach blieb der Weg an der Levada ereignislos und wir erreichten schließlich den Punkt an dem wir die Wasserkanal Richtung Gaula verlassen wollten.

Hier passierten wir einige Häuser mit den üblichen kleinen Höfen und Gärten. Nun begann der Abstieg in eine Schlucht, die uns noch immer von unserem Ziel trennte. Auf den Schildern stand der Ort Gaula bereits ausgeschildert. Von hier ging es einen steilen Weg hinab, der teilweise aus befestigter Erde und aus Treppenstufen bestand. Da es mittlerweile zu regnen angefangen hatten, mussten wir sehr auf unsere Schritte achten, um nicht wegzurutschen. Zwischendurch entschieden wir auch den Regenschutz über unsere Rucksäcke zu ziehen. Der Weg ging stetig bergab und wir warteten auf den Moment wo eine Brücke auftauchen oder zumindest ein Richtungswechsel entlang des Berghanges erfolgen würde. Beides passierte nicht und wir stiegen tatsächlich bis zum Boden der Schlucht hinab, die von einem kleinen Gebirgsbach durchflossen wurde. Der Weg führte einige Meter entlang des Flusses und erforderte von uns dann eine Überquerung an einer Stelle mit vielen Steinen. Auf der anderen Seite ging es dann direkt wieder bergauf. Zunächst mussten wir den Weg noch suchen, dann wurde er aber gut begehbar. Plötzlich standen wir von einem aus Ästen gezimmerten Tor, das lediglich mit einem Seil eingehängt war. Wir öffneten die Pforte und betraten ein Tiergehege. Etwas später lernten wir, dass es sich um ein Ziegen-Gehege handelte, da wir eines der Tiere in der Entferung entdeckten. Da sie sehr scheu sind, war es für uns jedoch schwierig die Tiere gänzlich zu beobachten. Wenige hundert Meter später gab es ein weiteres Tor, das diesmal aus Holzlatten gezimmert und mit einer gespannten Feder geschlossen war.

Nun ging es noch einige hundert Meter steil bergauf, bis wir den letzten Hochpunkt der heutigen Wanderung erreichten und auf die Straße nach Gaula gelangten. Diese mussten wir noch weitere 2,5 Kilometer Richtung Meer leicht bergab wandern, um zu unserem Tagesziel zu gelangen. Mittlerweile hatte der Regen uns schon sehr durchnässt. Hier merkten wir auch den frischen Küstenwind und entschieden uns die Regenjacken ebenfalls überzuziehen. Das war eine weise Entscheidung, da wir kurz danach im strömenden Regen den letzten Kilometer bis zum Hotel-Apartment liefen. Froh am Ziel angekommen zu sein, checkten wir zügig ein und nutzen die heiße Dusche im Zimmer, um uns aufzuwärmen. Nun war es bereits 17:30 Uhr und wir hatten großen Hunger. Nicht weit entfernt, aber leider bergab fanden wir eine kleine, portugiesische Bar, die auch einfaches lokeles Essen servierte. Dazu gab es auch das Madeirische Bier Coral und selbst gemachten Poncha. Zum letzten Mal genossen wir die portugiesische Gastfreundschaft und lokale Spezialitäten. Kurz nach 19 Uhr machten wir uns auf den Rückweg zur Unterkunft. Zu unserer Überraschung hatte sich das Wetter während des Essen grundlegend verändert. Regen und Wolken waren etwas Sonne und klarer Sicht gewichen, Nun konnten wir auch das nahe Meer und den Himmel beobachten. Durch die Nähe zum Flughafen Funchal waren vor allem die landenden Flugzeuge deutlich am Himmel zu sehen. Während wir diesen Blog verfassen, hatten wir einen hervorragenden Blick auf den Atlantik und beobachteten immer wieder merkwürdige dunkle Flächen auf dem Wasser. Da diese Flächen ihren Ort stetig änderten, vermuten wir, dass hier tatsächlich einige Wale schwammen und tauchten. Leider war es nicht möglich davon ein eindeutiges Fotos zu schießen.

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