Tag 4: Von Da Serra entlang der Levada

Unsere nächtliche Ruhe wurde jäh unterbrochen als gegen 3 Uhr das typische Geräusch herumfliegender Mücken zur vernehmen war und uns beide aus dem Schlaf aufschrecken lies. Wir hatten am Abend das Fenster geöffnet und darauf vertraut, dass das installierte Insektengitter die blutgierigen Biester draußen halten würde. Irgendwie scheinen die kleinen Plagegeister einen Weg in unser Zimmer gefunden zu haben. Ich schnappte mir die elektrische Fliegenklatsche, die neben einem Schrank von unserem Vermieter bereitgelegt war, und ging auf die Jagd. Insgesamt ließen mehr als 15 Mücken ihr Leben, bis wir gegen halb 4 endlich weiterschlafen konnten.
Nach den Aufwachen zogen wir uns schnell ein paar Sachen über, da auch Unterkunft kein Frühstück inkludiert hatte. Nur 200 Meter entfernt gab es einige Einkaufmöglichkeiten mit dem obligatorischen Supermarkt und kleinen Cafés. Somit bekamen wir zwei Tassen Kaffee und die notwendigen Vorräte für unsere heutige Wanderung. Überraschenderweise konnten wir im Café sogar frisch zubereitete Sandwiches für einen fairen Preis kaufen. Heute Morgen erstrahlte der Ort Santa Antonio Da Serra in neuem Glanz, da sich die Regenwolken vom Vortag verzogen hatten. Zurück in der Unterkunft packten wir unsere Rucksäcke und alle getrockneten Klamotten zusammen und brachen zügig zur heutigen Wanderung auf. Unser Weg führte uns zunächst noch einmal durch den Ort und dann Richtung Süden über kleine Landstraßen, vorbei an Gärten und Weiden, bis zur Levada dos Tornos. Diesem Wasserweg wollten wir nun mehr als 10 Kilometer folgen.






Der Weg entlang des kleinen Kanals begann recht idyllisch durch pflanzenreiche Wälder entlang des Berghangs. Dieser Abschnitt des Weges sollte sich rückblickend als sehr einfach herausstellen. Zur Abwechslung durften wir nun auch unseren ersten Levada-Tunnel durchqueren. Hier verläuft der Kanal mitten durch einen Berg und bietet dennoch einen schmalen Wanderweg. Wichtig ist es dabei auf seinen Kopf zu achten und eine Taschenlampe parat zu haben. Dann gab es Abschnitte mit Schluchten und Wassefällen, wo die Levade über eine Kanalbrücke den Abgrund überwindet, um auf der anderen Seite weiterzulaufen. Wenig später erreichten wir einen der schwierigsten Abschnitte der Route, da der Weg neben der Levada teilweise nur noch 1 bis 2 Fuß breit war und wir unsere Schritte vorsichtig setzen mussten. Nach diesem anstrengenden Abschnitten erspähten wir plötzlich ein Schild mit der Bezeichnung „Naturfreunde“ und einer offenen Tür direkt neben der Levada. Vorsichtig betraten wir das Gelände und riefen laut „Hallo“. Ein älterer Herr anwortete und bat uns kurz zu warten, da er gerade dabei war die Pflanzen im Garten zu gießen. Der Mann stellte sich als Deutscher Auswanderer heraus, der bereits seit 42 Jahren auf Madeira lebt und diese kleine Gartenoase angelegt hatte.







Nach kurzer Zeit verabschiedeten wir uns freundlich und machten uns erneut auf den Weg. Nur eine Kurve später, versperrte uns ein umgestürzter Baum den Weg und wir mussten uns auf allen Vieren durch das Gestrüpp kämpfen. Mittlerweile hatte es leicht angefangen zu nieseln und wir hofften, dass es nicht mehr regnen würde, da der Weg dann sehr schlammig und die teilweise überwuchernden Pflanzen ebenfalls nass sein würden. Leider fing es nach kurzer Zeit tatsächlich an stärker zu regnen und wir konnten nun zum ersten Mal unser Regenequipment testen, Jacken und wasserdichte Überzüge für die Rucksäcke. Da wir zu diesem Zeitpunkt aber nur noch wenige Kilometer vor uns hatten und der Weg auch griffig blieb, entschieden wir weiter der Levada zu folgen. Immer wieder gab es kleine Überraschungen entlang des Weges, wie Autos, die komplett von Pflanzen überwuchert waren, oder Haustiere wie Ziegen, Schafe, Katzen oder bellende Hunde. Kurz vor Camacha veränderte sich die Levade deutlich, da nun zusätzlich zum Kanal auch ein riesiges Rohr entlang des Weges verlief. Schließlich erreichten wir einen Punkt, an dem eine Treppe von der Levada steil nach oben führte. Hier sollten wir nach einigen Stufen den Ort Camacha erreichen. Die Levada indes schlängelte sich von hier noch für weitere 20 Kilometer entlang der Berghänge.










Wir absolvierten nun die letzten, anstrengenden Höhenmeter ehe wir schließlich auf den Mercandinho da Camacha ankamen. Von hier hatten wir einen wunderbaren Blick auf den Atlantik und die östliche Küste Madeiras. Unsere Unterkunft lag nur noch 750m entfernt und wir liefen die Hauptstraße entlang, an kleinen Einkaufsmöglichkeiten, Cafés und Bars. Zu unserer Überraschung war unsere heutige Unterkunft ein altes Herrenhaus mit Parkanlage, Pool, Sauna und Massagebereich. Wir wurden von der Empfangsdame erst einmal durch das Haus geführt und konnten dabei die an den Wänden hängenden Gemälde begutachten. Alle Räume waren herrschaftlich eingerichtet und erinnerten an ein Museum. Wir fühlten uns wie in einem Kolonialhaus des 19. Jahrhunderts. Nachdem wir uns kurz frisch gemacht hatten, ging es zurück in die Stadt zum Restaurant Garagem, das uns die Empfangsdame empfahl. Im Lokal saßen bereits mehrere Familien, großteils mit Portugal-Trikot, da am heutigen Abend das WM-Spiel Portugal gegen Uzbekistan ausgespielt wurde. Zum unserem Glück gewann Portugal dieses Spiel, so dass die Stimmung durchgehend gut blieb. Wir bestellten eine Tapas-Platte mit typisch portugisieschen Gerichten wie Oktopus, Leber und Kartoffeln.







Tagesgesamtstrecke: 19,2 Kilometer mit 270 Höhenmetern
