Tag 6: Schwebenden Schrittes durch Funchal

Nach einer ruhigen Nacht ging es für uns erst einmal zum Frühstück im Hotelrestaurant. Die Auswahl war reichhaltig, konnte aber nicht mit dem Frühstück aus Camacha mithalten. Zur Vorbereitung auf unseren heutigen Ausflug nach Funchal, haben wir noch im Reiseführer geschmöckert und dabei zufällig festgestellt, dass der letzte Kaiser von Österreich hier in Monte begraben liegt. Er ist vor seinem Tod nach Madeira ins Exil gegangen und dann auch hier 1922 verstorben. Also gingen wir noch einmal zur Kirche von Monte, die wir bereits am gestrigen Abend kurz besucht hatten, und schauten uns diesmal auch das Kirchenschiff mit dem Grab von Karl I an. Wir überlegten noch ein wenig hin und her, ob wir lieber mit den Schlitten oder mit der Seilbahn in die Stadt fahren wollten. Da die Seilbahn direkt bis zum Meer und nicht nur 1,5km den Berg hinunter fuhr, entschieden wir uns schließlich für diese Option und wurden nicht enttäuscht. Die Fahrt mit der Teleférico Monte-Funchal war toll und bot grandiose Blicke über die Stadt während wir langsam talwärts fuhren. Die Bahn endet direkt am südöstlichen Ende der Altstadt neben dem Busbahnhof Funchals, so dass wir von hier direkt in die engen Gassen der Altstadt starten konnten. Diese ist für ihre vielen bunt bemalten Türen berühmt. Einige davon konnten wir auf unserem Weg entdecken. Als nächstes erreichten wir die große Markthalle Mercado dos Lavadores, die uns mit einem fischigen Geruch empfing. Hier wird neben Obst, Gewürzen, Backwaren und Kunsthandwerk auch täglich frischer Fisch angeboten. Dieser wird vor den Augen der Touristen zerlegt und filetiert. Nun hatten wir die Idee unsere Rucksäcke, die typischerweise je 10kg wogen, an unserer heutigen Unterkunft abzugeben, bevor wir weiter die Stadt erkunden wollten. Obwohl wir viel zu früh für einen Check-In waren, erhielten wir bereits die Key Card zu unserem Zimmer und konnten dort unsere Sachen verstauen. Jetzt waren wir bereit für den weiteren Rundgang durch die Stadt.

Von unserer 10kg Last befreit, gönnten wir uns in der kleinen Eisdiele Chafariz Gelato jeder eine Kugel Eis, Zimt und Pistazie. Damit ging es weiter zur zentralen und größten Kathedrale der Stadt, die zufällig auch direkt gegenüber unseres Hotels lag. Auch dieses Gebäude wies ein prunkvolles Kirchenschiff sowie Seitenschiffe und die Apsis mit dem Hauptaltar auf. Direkt neben dem Haupteingang zur Kathedrale befand sich auch eine Statue des Papstes Johannes Paul II, der hier in Funchal 1991 zu Besuch war. Von hier liefen wir die nächste Straße Richtung Meer. Funchal bietet neben dem Hafen auch eine breite Uferpromenade mit kleinen Cafés, Kiosken, temporären Marktständen und einem Sportevent für Basketball. Im Übergang zwischen Promenade und Hafen gab es noch ein weiteres kleines Highlight. Hier lag der Nachbau des Schiffes Santa Maria de Colombo, mit dem Kolumbus 1492 gen Westen gesegelt ist. Nun ging es von der Promenade zurück in die Stadt, vorbei am Palácio de São Lourenço, wo der staatliche Repräsentant der Insel Madeira residiert. Aufgrund von Renovierungsarbeiten war es nicht möglich hier etwas zu besichtigen. Dafür liefen wir nun weiter Richtung Westen in den Stadtgarten Jardim Municipal do Funchal. Dieser kleine Park bietet mitten in der Stadt viel Natur mit blühenden Blumen und Bäumen. Hier waren auch intensives Vogelgezwitscher zu hören sowie Schmetterlinge und Bienen zu sehen.

Nahe des Stadtgartens fanden wir das kleine Café Mercearia Done Mécia, in dem wir rasteten und uns ein kühles Getränk und einen Snack genehmigten. Nun sollte es weitergehen zur nächsten Parkanlage, dem Parque de Santa Catarina oder Katharinen-Park. Diese bot vor allem große Rasenflächen und einen künstlichen Teich, auf dem Schwäne schwammen. Auch diesen Park passierten wir, während wir immer wieder die prächtigen Blüten der Blumen bewunderten. Unser Rundgang sollte noch weiter Richtung Westen gehen, da wir das Haus des weltberühmten Fußballers Crisitano Ronaldo sehen wollten. Weiter ging es an der Quinta Vigia vorbei, dem Sitz des Gouverneurs von Madeira, und einer lebensgroßen Statue der Kaiserin Sissi von Österreich. Auf diesem Weg reihten sich viele kleine Highlights aneinander, bis wir endlich an der Stadtvilla von Ronaldo ankamen. Aktuell schien aber niemand zuhause zu sein, da sich Ronaldo mit der Portugiesischen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in den USA befindet. Das Haus befindet sich am Ende des Hafens von Funchal an einem großen Kreisverkehr. Wir folgten nun der Straße entlang des Hafens zurück in Richtung der Innenstadt und passierten noch die Statue von Cristiano Ronaldo vor dem offiziellen Museum über diesen Nationalhelden. Nach weiteren 20 Minuten hatten wir unseren Rundgang durch die Stadt beendet und gönnten uns noch einen Eisbecher in einem der vielen Eiscafés, die es hier gab. Bisher hatten wir auf der Insel kein einziges Eiscafé entdeckt. Im Zentrum Funchals gab es davon nun einige.

Wir ruhten uns ein bisschen im Hotel aus und recherchierten online nach den umliegenden Restaurants. Konnten uns aber noch für kein passendes Etablisment entscheiden. Durch das Fenster zur Gasse hinter dem Hotel hörten wir bereits laute Musik, mit welcher die Lokale die enge Gasse beschallten. Wir machten uns dann erneut auf den Weg in Richtung der Altstadt und lasen unterwegs die Speisekarten, die meist vor den Restaurants ausgehängt waren. Am Ende fiel die Entscheidung für das A Bica am Rande der Altstadt Funchals. Einem kleinen Restaurant im Keller mit nur wenigen Tischen, aber viel Flair und Personal. Wir teilten uns eine gemischte Fischplatte mit den lokalen Köstlichkeiten und tranken noch einmal Poncha. Nach dem Abendessen liefen wir zurück durch die Altstadt und achteten nun konzentriert auf die bunten Türen, um besonders Schöne zu finden. Kurz vor dem Hotel konnten wir wieder die laute Musik vernehmen. Diesmal war es allerdings eine Blaskapelle, die hier in der Gasse stand und das Lied „Oh When the Saints Go Marchin‘ In“ spielte. Wir lauschten bis zum Ende des Liedes und gingen dann die letzten Meter zurück zum Hotel.

Tagesgesamtstrecke: 11 Kilometer mit 130 Höhenmetern

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