Tag 2: Durch Farnwälder zur Nordküste

Die Nacht war etwas unsaft beendet, da sich am frühen Morgen alle Hähne und Hunde der Umgebung bemerkbar machten. Ich wollte noch kurz ein Bild vom Ausblick der Unterkunft machen und stellte zu unserer Überraschung fest, dass neben der Tür ein Brot für uns bereit lag. Wir aßen aber erstmal die Reste der Pizza und packten die Rucksäcke für die heutige Etappe. Anschließend überlegten wir uns die Strecke für unsere heutige Etappe. Zunächst wollten wir zurück nach Machico, um neues Wasser zu besorgen. Demnach ging es erstmal zurück in den Ort auf der Suche nach einem Supermarkt und einer Möglichkeit eventuell mit dem Bus in den nächsten Ort Caniçal zu fahren. Auf dem Weg Richtung Stadtzentrum entdeckten wir überraschen einen kleinen Supermarkt, der auf keiner unserer Karten vermerkt war. In Deutschland würde man so etwas als Tante Emma Laden bezeichnen. Hier gab es neben verschiedenen Erfrischungsgetränken auch einige einheimische Güter. Wir kauften eine Packung Madeira-Kekse „Ilha da Madeira“. Nachdem wir unsere Wasservorräte aufgefüllt hatten, planten wir unsere Route neu. Wir wollten nun den Bus vermeiden und unsere Wanderung direkt von Machico starten.

Es ging extrem steil bergauf, durch die Straßen Machicos entlang vieler bunter Häuser und vereinzelten Ziegen auf den Grünflächen zwischen eben diesen Häusern. Die wenigen Einheimischen, die wir sahen, waren auch sehr überrascht und schmunzelten, dass jemand diese Straße zu Fuss erklomm. Die Anwohner fahren alle diese Strecken nur noch mit dem Auto. Auch wenn wir dies ebenfalls als sehr verrückt emfanden. Nach ca. 1km und vielen Höhenmetern, standen wir erneut vor einer Entscheidung. Es ging rechts zum Gipfel Pico Castanho, was ca. 500 weitere Höhenmeter bedeuten würde, oder links entlang der Kaskaden zur Küste. Da uns die Berge in Machico in kurzer Zeit schon viel abverlangten und wir heut noch ca. 14 km vor uns hatten, entschieden wir uns für den flacheren Kaskadenweg.

Nun ging es immer entlang der Kaskade, einem kleinen Wasserkanal, der typisch neben den Wanderwegen verläuft. Der Weg schlängelte sich entlang des Berghanges immer weiter Richtung Norden. Zwischen durch mussten wir auch eine Straße kreuzen und einige Stufen steigen. Nach etwa 1 Stunde erreichten wir das Ende dieses Weges und uns offenbarte sich ein fantastischer Blick auf den Atlantischen Ozean. Obwohl viele der anderen Wanderer, die wir unterwegs auch getroffen haben, sich für den Küstenwanderweg entschieden, hatten wir einen anderen Plan. Wir wollten von hier hinauf zum Aussichtspunkt Boca Do Risco wandern, um die Farnwälder im nördlichen Gebierge zu erkunden. Zunächst machten wir eine kurze Mittagspause, aßen das frische Brot und tranken vor allem viel Wasser. Nun wechselte der Wanderweg in einen steilen Aufstieg mit vielen Serpentinen und Stufen. So überwanden wir auf 1,5 Kilometern über 220 Höhenmeter. Erschöpft und zufrieden erreichen wir den Höchstpunkt des Trails.

Hier wurde es nun wieder etwas gemütlicher mit leichten An- und Abstiegen auf einer breiten Schotterstraße. Wir vermuteten, dass diese Straße von Fahrzeugen für den Down Hill Sport genutzt wird, da wir bereits am Boca Do Risco gelesen haben, dass es eine bekannte Down Hill Strecke darstellt. Allerdings konnten wir uns zu diesem Zeitpunkt nicht vorstellen wie jemand diesen Weg unversehrt und lebendig hinabfahren könnte. Für uns begann nun der interessante Abschnitt des Wegen mit seinen exotischen Farnwäldern. Nach wenigen Kilometern verließen wir die Schotterstraße und folgten von dort dem nationalen Wanderweg PR5 (Pequenas Rotas). Davon gibt es auf Madeira mehr als 30 Wanderwege. Kurz vor dem Verlassen des PR5 fanden wir eine einsame Bank und entschieden uns eine weitere Pause einzulegen. Hier saßen wir sehr schön im Schatten und konnte Durchatmen, etwas Essen und Trinken. Besonders auffällig waren hier einige kleine, mutige Vögel, die von den Bäumen immer näher an uns herankamen und schlussendlich sogar nahe unsere Schuhe nach Futter bettelten. Es handelte sich um die endemischen Madeirabuchfinken. Wir teilten etwas von unserem Brot mit ihnen.

Nun begann der lange Abstieg Richtung Porto da Cruz. Der Weg bestand hier aus unzähligen Stufen, die mühsam in das steile Gelände gebaut wurden. Die 400 Höhenmeter überwanden wir in kürzester Zeit. Allerdings mussten wir uns auf diesem Weg stark konzentrieren, um keinen falschen Schritt zu setzen. Nach dem Ende der Stufen verlief der Weg weiter entlang einer Kaskade Richtung Tal. Immer wieder gab es kleine Wohnhäuser, die rechts und links des Weges gelegen waren. Wir fragten uns stets wie jemand das gesamte Material für den Bau dieser Häuser an genau diese Stelle bewegt hatte. Das Gelände ist in diesem Bereich der Insel sehr unwegsam und steil. Nach einigen weiteren Kilometern auf gut ausgebauten Wanderwegen gelangten wir ins Tal nahe Porto da Cruz. Hier suchten wir nun nach unserer Unterkunft, die erneut in einem normalen Wohnhaus inmitten vieler weiterer Wohnhäuser lag und nicht direkt aus Ferienwohnung erkennbar war. Glücklich am heutigen Tagesziel angekommen zu sein, erfrischten wir uns unter der Dusche und wechselten unsere durchschwitzten Klamotten. Nun hatten wir Hunger und stellten schnell fest, dass uns hier kein Uber Eats helfen würde, da die Unterkunft zu weit von irgendwelche Lieferdiensten entfernt lag. Zum Glück gab es unweit eine kleine Standbar für Surfer, die auch Essen anbot und eine gute Bewertung vorweisen konnte. Diese Lokalität war nur 750m entfernt und gut zu Fuß erreichbar. Wir saßen dort und genossen unser Abendessen, das wir wild zusammengestellt hatten: Shrimps, gekochtes Schweinefleisch in Knoblauch, einem kleinen Steak-Sandwich und Pommes Frites.

Tagesgesamtstrecke: 17,1 Kilometer mit 660 Höhenmetern

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